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Der goldene Kompass

Das Spiel zum Buch und nicht das Spiel zum Film zum Buch

VerlagAutorSpielerAlterSpieldauerPreis
Kosmos Inka & Markus Brand 2-4 ab 10 Jahre 60 Minuten 32,- Euro 

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Spielziel:

Im Zuge des Erscheinens des Kinofilms zum Roman Der goldene Kompass von Philip Pullman kamen natürlich auch einige Merchandising-Produkte zu diesem Thema in die Läden. Der Spieleverlag Kosmos ist da ganz vorne mit dabei und schickt gleich 2 Produkte ins Rennen – zum einen das Spiel zum Buch, zum anderen das Spiel zum Film. Die Beweggründe sind sicher nicht für jeden ersichtlich und bei vielen potentiellen Käufern wird dies auch für Verwirrung gesorgt haben. Hier soll es nun aber in erster Linie um das 'Spiel zum Buch' gehen, bei dem bis zu 4 Spieler versuchen, mit der Hauptfigur Lyra über Oxford, London, Fens und weitere Orte bis in den hohen Norden, nach Svalbard, und von dort aus in die andere Welt zu gelangen. Alle wichtigen Örtlichkeiten des Romans werden in diesem Laufspiel nach und nach abgeklappert. Auf ihrer Reise erlebt Lyra einige Begegnungen und sammelt an Erfahrung.

Ablauf:

Beim Auspacken von Der goldene Kompass fällt einem zuerst der schöne Spielplan auf, auf dem die Laufstrecke von Oxford bis in die andere Welt mit vielen Zwischenstationen abgebildet ist. Vom Grundprinzip her ist Der goldene Kompass ein ganz simples Laufspiel, bei dem man um die Wette von einem Startpunkt zum Ziel gelangen muss. Bei einem näheren Blick erkennt man aber, dass es eben doch etwas mehr ist als das, zumal dieses Spiel ohne Würfel auskommt.

Bewegen kann man seine Spielfigur mit sogenannten Lyra-Karten, die es in den 4 Farben der Spielfiguren in den Werten 1, 2 sowie 3 gibt. Es werden nur die Farben benötigt, die auch am Spiel teilnehmen. Diese werden nach Farben sortiert und verdeckt als einzelne Nachziehstapel bereitgestellt. Zu Beginn von Der goldene Kompass kann man alle Lyra-Karten zur Fortbewegung nutzen, ab dem Ort Fens dagegen darf der Führende nur Karten der eigenen Farbe, alle anderen nur Karten in der Farbe der Figuren vor ihren, ausspielen. Neben den Lyra-Karten gibt es noch Pan-Karten (bei Pan handelt es sich um Lyras Daemon, ihren tierischen Begleiter), die ebenfalls der Fortbewegung dienen, alternativ aber auch mit ihrer jeweiligen Sonderfunktion eingesetzt werden können.

Eine Partie Der goldene Kompass läuft je Runde in je 4 Phasen ab, wobei die Phase 3 - die Reise- und Erfahrungsphase - die interessanteste ist. Man kann beliebig viele seiner Lyra- und Pan-Karten zur Fortbewegung nutzen. Alle normalen Felder zeigen eines von 4 verschiedenen Symbolen, die für die unterschiedlichen Bereiche stehen, in denen man Erfahrung sammeln kann (nämlich Norden, Staub, Panzerbären und Hexen). Jedes Feld, auf dem die Figur nach dem Ausspielen einer Karte stehen bleibt, bewirkt den Zuwachs eines Erfahrungspunktes in dem entsprechenden Bereich - als Joker gelten die Kompassfeldern, auf denen man sich aussuchen kann, in welchem der Bereiche man Erfahrung sammeln möchte. Darüber hinaus gibt es noch Ortsfelder. Erreicht man sie direkt, bekommt man (in Führung liegend) einen Erfahrungspunkt nach Wahl, alle die später hier anhalten, bekommen nur noch eine Pan-Karte. Ab dem Ort Svalbard kommen auf dem Spielplan dann auch noch Eisfelder vor - hier ist Anhalten Pflicht.

Rundenabschluß ist die Phase 4, in der man Lyras Gegnern begegnen kann. Dies geht allerdings nur, wenn man in bestimmten - auf den Karten angegebenen - Bereichen, genug Erfahrung gesammelt hat. Diese gemachte Erfahrung wird mit einer selbst gewählten Freundeskarte belohnt und mit ein paar Erfahrungspunkten bezahlt. Jede Freundeskarte vereinfacht das Spiel für diesen einen Spieler bis zum Spielende.

Gewonnen hat, wer als erster in der anderen Welt ankommt und in allen Bereichen mindestens 3 Erfahrungspunkte vorweisen kann. Im Sinne des Romans ist es natürlich ziemlich unlogisch, dass sich im Spiel bis zu 4 Lyras auf die Reise machen, aber der Bezug zum Buch wirkt ohnehin etwas aufgesetzt. Es kommen zwar viele Figuren und Begrifflichkeiten aus dem Roman vor, allerdings hat man zu keiner Zeit das Gefühl, hier wirklich die Handlung des Buches nachzuspielen, es wirkt wie ein locker in die Romanwelt eingefügtes Wettrennen. Das Buch ist somit nicht Voraussetzung, um Der goldene Kompass (gut) zu spielen.

Fazit:

Besonders gelungen ist an Der goldene Kompass Spiel sicherlich der wirklich schön gezeichnete Spielplan, der ähnlich gelungen daherkommt wie die Spielgrafik von Die Säulen der Erde aus gleichem Verlag (mit welchem dieses Spiel ansonsten keinerlei Parallelen hat). Darüber hinaus handelt es sich aber um ein unnötig verkompliziertes Wettrennspiel, das sich vom Spielprinzip her vornehmlich an Familien richtet und Vielspieler eher langweilen wird. Die Wenigspieler wiederum dürften die etwas zu komplizierten Regeln stören, so dass auch diese Zielgruppe nicht konsequent bedient wird. Hier haben wir mal das genaue Gegenteil vom 'einfache Regeln–unendliche Taktiken'-Prinzip.

In erster Linie richtet sich Der goldene Kompass somit an die Fans der Buchvorlage, die aber zu Recht beklagen könnten, dass die Thematik hier lediglich dem Spiel übergestülpt wurde, denn das Spielgefühl hat mit der Buchvorlage herzlich wenig gemein. Außerdem dürfte sich Der goldene Kompass für meinen Geschmack gerne etwas flüssiger spielen, gerade zu zweit ist es nicht sonderlich spannend.

Aber so negativ dies jetzt alles auch klingen mag, nichtsdestotrotz kann Der goldene Kompass Spaß machen, wenn man sich auf das Spiel einlässt und mit keinen zu hohen Erwartungen herangeht. Gerade zu dritt oder zu viert kann nach der Einarbeitung nämlich durchaus Spannung aufkommen, wer denn nun das Rennen machen wird - trotzdem sollte man das Spiel nicht öfters als 2-3 mal hintereinander spielen. Zu Gute halten kann man Der goldene Kompass immerhin einen halbwegs originellen Zugmechanismus, bei dem man pro Runde so viele Bewegungskarten hintereinander ausspielen kann, wie man möchte.

Und dass man das Thema auch noch viel schlechter umsetzen kann, hat Kosmos unlängst mit dem wirklich verkorksten und völlig glücksabhängigen Brettspiel 'Der goldene Kompass – Das Spiel zum Film' bewiesen. Fans sollten, wenn sie denn unbedingt ein Spiel zu diesem Thema haben möchten, auf jeden Fall zum 'Spiel zum Buch' greifen.

(vr)
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     41 Prozent - 1.68 PunkteIhre 10 Lesermeinungen zu Der goldene Kompass~1.68
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Joergh03.Oct 08: Nein, so wirklich umgehauen hat es mich nicht...
Tom.e.11.Sep 08: Der Spielplan ist das beste vom Spiel,mehr kommt leider nicht rüber.Wer auf lange Reise gehen möchte,ist mit Tal der Abenteurer besser bedient. Zu Zweit auch gut spielbar.
Jan Mirko Lüder
10.Jun 08: Gewiss, "Langeweile pur" wäre eine krasse Übertreibung, denn im Nachziehen der Bewegungskarten steckt natürlich schon einige Spannung. Wenn sich der Spielreiz allein in dieser bereits erschöpft, ist das allerdings zu wenig für ein "unterhaltsames" Spiel.
Taktischen Tiefgang gibt es praktisch nicht und die vielversprechende Grafik kann nicht darüberhinwegtäuschen, dass es außer ein paar netten Umschreibungen für recht triviales Punktesammeln im Wetrenn-Modus keinerlei weiteren Bezug zur Geschichte gibt. Vielleicht ist es ein adäquater Versuch, kurzfristig mit einem Trendartikel den Umsatz zu stützen, strategisch wird es dem Verlag wohl weder als Umsatz- noch als Prestigegarant ein Standbein sein.
Brrause13.May 08: Ich kann nicht behaupten, daß hier bloße Langeweile angesagt ist. Doch liefen die Partien meist nach ähnlichem Schema ab (gestresstes "ab nach vorn", Hoffnung auf gute Extraplättchen, schnelles Einsacken von diesen). Das Regelwerk war für uns nicht ohne Auslegungen umsetzbar. Schade - bei diesem schönen Spielematerial wäre durch ausgefeilteren Ablauf ein Topspiel sicher drin gewesen...
Carsten Pinnow

22.Apr 08: akzeptables Familienspiel
Detlef Vanis03.Apr 08: Recht triviales Familenspiel.
Martin Kosub
02.Apr 08: Graphisch sehr schön, sonst aber auch gar nichts. Landete nach einem Spiel im Eck. Wird verramscht.
Michael Andersch
27.Mar 08: Ich, der ich das Buch nicht kannte, empfand das Spiel als ziemlich albern. Man macht "Erfahrungen" um "Freunde zu gewinnen", wobei es sich im Grunde um ein völlig banales Laufspiel mit teils unnötig komplizierten Regeln (z.B. erfolgen manche Aktionen in Sitzreihenfolge, andere gem. Reihenfolge auf der Laufstrecke) handelt. Fans des Buches können dem vielleicht mehr abgewinnen, ich fand's vertane Zeit.
Marco Stutzke
25.Mar 08: Schön, aber belanglos....
Tootles24.Mar 08: Eine schöne Idee des Zugmechanismus ... aber irgendwas fehlt, um es zu einem Spiel zu machen, das öfter auf den Tisch kommen könnte.
Leider ist das Thema völlig egal in dem Spiel, auch wenn die einzelnen Figuren auf den Karten sind ... nach dem Spiel wusste ich nicht, wer denn nun wer in der ganzen Geschichte ist, weil es im Spiel vollkommen irrelevant ist. Schade, da es sich doch um ein Spiel zum Buch handelt.


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© Carsten Wesel am 10.11.2008 für www.fairspielt.de. Kontakt-Email zum Webmaster.