Luding

Spieletest von BIG BAND


Hersteller: Ass
Preis: n.b.
empf.Alter: 12-
Anzahl Spieler: 3-6
Erscheinungsjahr: 1990
noch erhaeltlich: n.b.
Autor: Herbert Schuetzdeller
Besonderheit: Aufgenommen in die Bestenliste 1990

Kategorie: Verhandlungspiel
Tester : Andreas Keirat, Bremerhaven EMail1 EMail2, Claudia Schlee

Ausstattung

Spielplan, Spielfiguren, Sichtschutz, Zaehlstein, 110 Karten mit Musikern, Spielanleitung

Aufmachung

Unter einem grossformatigen Spielbrett befinden sich die vielen Karten und Spielfiguren in einer Kartonnische, leider etwas durcheinander, denn es gibt keine Zwischenwaende. Die Spielfiguren sind kleine Pianos, die jedoch etwas schlicht geraten sind. Die Karten enthalten lediglich schriftliche Informationen ueber die einzelnen Musiker, die Rueckseite ist immer mit dem gleichen Bild bedruckt.

Ziel

Jeder Spieler findet sich in der Rolle eines Musik-Agenten wieder, der die Aufgabe hat, schnellstmoeglich eine komplette Band zu engagieren. Die Agenten klappern, auf der Suche nach Musikern, die Altstadt von New Orleans ab (den Spielplan). Leider sind viele Kuenstler sehr empfindlich und spielen nur unter gewissen Voraussetzungen mit. Und das ist das Problem. Nachdem die Karten gemischt wurden und auf den vielen Feldern des Spielbrettes abgelegt wurden (Einige Karten bleiben immer ueber, so dass man immer mit anderen Voraussetzungen spielt), waehlen die Spieler ein beliebiges Feld auf dem Spielplan als Startfeld aus. Wenn ein Spieler nun an der Reihe ist, dann kann er sein Piano um null, einem oder zwei Felder weiterbewegen und die entsprechende Karte darunter aufnehmen. Ob er dies senkrecht, waagerecht oder diagonal (bzw in Kombinationen) macht, bleibt ihm ueberlassen. Auf der Karte steht der Musikername, sein Wert in Punkten, seine Eigenheit, sowie die Musikgruppe, zu der er gehoert. Es gibt insgesamt 5 Musikgruppen, zu denen unterschiedlich viele Musiker gehoeren. Eine Band muss jedoch mindestens aus jeder Musikgruppe einen Musiker haben, wobei es auch Talente gibt, die zwei Sachen beherrschen (z.b. Singen und Schlagzeug spielen). Eine Spielrunde ist beendet, wenn jeder Spieler einmal an der Reihe war. Ab der achten Spielrunde kommt jedoch ein besonderes Feature ins Spiel, das dem Spiel die Kategorie "Verhandlungsspiel" gab. Nun darf man mit seinen Karten, die man besitzt und z. Z. nicht einbauen kann in die Band, handeln. Es ist jedem Spieler freigestellt, wieviel er sagt zu diesen Karten, man darf nur keine Unwahrheit sagen. So kann man schlechte Karten auch als gute anpreisen, in dem man z.B. nur deren Musikgruppe sagt, oder dass sie weiblich bzw. maennlich ist, oder dass sie mehr als 50 Punkte bringt (wenn man den Bruder auch besitzt, muss man dem Mitspieler ja nicht auf die Nase binden). So geht es weiter, bis die Schlussrunde (je nach Spielerzahl verschieden) vorbei ist, also immer eine Bewegung aller Spielfiguren und ein anschliessender Tausch von Musiker-Karten. Dann werden die Karten offengelegt und jeder Spieler muss seine Band vorrechnen, koennen einige Musiker bestimmte Eigenarten nicht erfuellt bekommen, so verfallen sie ersatzlos.

Spielende

Es gewinnt der Spieler, der eine komplette Band aus den 5 Musikgruppen bilden konnte und dann die hoechste Punktzahl erreicht.

Kommentar

Obwohl das Spiel zunaechst relativ einfach erscheint, entwickelt es sich spaetestens nach der achten Runde zu einem wahren Strategie-Monster. Die Karten sind so vielschichtig geordnet, dass einem schnell die Uebersicht fehlt, wer mit wem noch zusammenspielt und wer nicht. Zu diesem Zweck hat man Sichtschutz-Karten mitgeliefert, die allerdings meines Erachtens viel zu klein ausgefallen sind. Der Reiz des Spieles liegt neben der Aufgabe der Zusammenstellung einer Band auch im Tausch von Karten, denn nicht jeder kann jede Karte zwangslaeufig gebrauchen. Und da fast alle Musiker eine Besonderheit haben, wird es gar nicht so leicht, sie alle unter einen Hut zu bekommen. Bei durchschnittlich 20 Runden kann man also mit etwas Glueck auch 20 Musiker haben (es sind allerdings auch einige Karten sogenannte Ereigniskarten, bei denen etwas passiert).

Fazit

Dieses Spiel ist ein echter Hammer. Wer mal eben so ein Spiel machen moechte im Freundeskreis, der ist mit diesem Spiel wohl ueberfordert, aber diejenigen, die des oefteren mal einen Spieleabend im Bekanntenkreis leiten, kann man das Spiel nur waermstens empfehlen, da es nach 2-3 Probespielen suechtig machen kann. Nur sind die 2-3 Spiele erst einmal notwendig, damit jeder so einigermassen mitbekommt, was fuer Musiker und was fuer Spleens existieren. Diese Spleens sind naemlich wirklich aeusserst abwechslungsreich ! Und der Handel mit Karten erweist sich als oft sehr trickreich gefuehrt ("So ein Mist, Du hast mir ja eine absolut beschxxxxxx Karte angedreht!" oder "Hey, die habe ich Dir doch erst vor zwei Runden gegeben!").

Wertung

Ich vergebe 5 Punkte, da es etwas schwierig ist, bei vielen Karten den Ueberblick zu behalten. Dies ist wohl auch der Grund, warum dieses Spiel nicht Spiel des Jahres geworden ist, denn eigentlich ist es nur edel. Wen also etwas Kopfarbeit nicht stoert, dem kann man das Spiel nur empfehlen.

Andreas Keirat


Dieser Spieletest wurde geschrieben von Andreas Keirat und beinhaltet demzufolge teilweise seine Meinung. Die Verbreitung und Publikation ist gestattet, sofern der Autor und der Testbericht nicht veraendert werden (Rechtschreibfehler/Satzbaukorrektur ausgenommen), der Autor davon Kenntnis erhaelt und ein Belegexemplar zugesandt wird. Der Autor hat mit keinem Spielzeughersteller berufliche Verbindungen. Die Verbreitung in den Netzen ist ausdruecklich gestattet, bei Fragen wenden Sie sich bitte an: fashion@fishtown.han.de oder l11e@alf.zfn.uni-bremen.de (falls erstere EMail versagt.)
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